Evangelische Kirchengemeinde Frankfurt a. M. – Fechenheim

Website der Evangelischen Kirchengemeinde im Frankfurter Stadtteil Fechenheim

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Himmelfahrt-Defizit-Syndrom?

Dialogpredigt zu Johannes 14,15-19 am Sonntag Exaudi (12.5.2013) in der Evangelischen Kirchengemeinde Frankfurt am Main-Fechenheim von Lieve Van den Ameele und Wilfried Steller.

Sag‘ mal, findest du den Sonntag zwischen Himmelfahrt und Pfingsten nicht auch ein bisschen gestaltlos?

Nee, wieso?! Der ist doch ganz genau definiert: „Höre!“

Ja, ja, höre, aber wer soll da auf wen hören?

Schau, das kommt aus Psalm 27, da heißt es in Vers 7: „Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe! Sei mir gnädig und erhöre mich!“

Ah, ja… Du meinst, dass Jesus versprochen hat uns nicht allein zu lassen – hierso auf Erden? Selbst wenn Jesus erst mal zurück in den Himmel gefahren ist.

Ja, in der Tat, das hat etwas mit Himmelfahrt zu tun. Jesus macht uns Mut, Gott um das, was wir brauchen zu bitten. Bei Johannes im Kapitel 14 ist das schön beschrieben. Ich lese das mal in der Übersetzung der Neuen Genfer: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und der Vater wird euch ´an meiner Stelle` einen anderen Helfer geben, der für immer bei euch sein wird; ich werde ihn darum bitten. Er wird euch den Geist der Wahrheit geben, den die Welt nicht bekommen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Aber ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. Ich werde euch nicht als hilflose Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. Nur noch kurze Zeit, dann sieht die Welt mich nicht mehr. Ihr aber werdet mich sehen, und weil ich lebe, werdet auch ihr leben. (Johannes 14,15-19)

Oha! Also Jesus geht weg, und überlässt es jetzt seinen JüngerInnen, aber lässt sie dann doch nicht alleine damit…

Genau!

Okay…! Das klingt wie bei Abraham und bei Mose und so. Da sagt Gott auch immer: Keine Angst ich bin da, ich werde da sein, du bist nicht allein…!

Ja, jetzt wo sie den irdischen Jesus nicht mehr sehen – die Jünger – sollen sie den Verherrlichten Jesus lieben.

Was ist denn gemeint mit den „Verherrlichten Jesus“?

Nun, damit ist der Auferstandene gemeint. Seit Ostern wissen wir, dass es sich bei Jesus nicht nur um einen interessanten Philosophen und revolutionären Denker gehandelt hat, der auch noch auf Tuchfühlung ging mit seinen ZuhörerInnen, sondern, dass der Tod – mit Jesu Auferstehung – nicht mehr das letzte Wort über uns hat, sondern das Leben. Der Verherrlichte Jesus, das ist der immer-und-überall-Jesus. Und wir sollen Jesus in dieser vollen Dimension lieben.

Ah, ja! … Jesus lieben, das versteh ich, aber da steht ja: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ Heißt das dann, wenn ich ein Gebot nicht beachte, habe ich Jesu auch nicht lieb? Das ist aber ganz schön schwer, du!

Das stimmt wohl! Der Evangelist macht hier in der Tat darauf aufmerksam, dass es sich genau so verhält, wie im Alten Testament an verschiedenen Stellen beschrieben. Dort war ganz klar, dass die Liebe zu Gott im Tun der Gebote geübt wird. Und genau so sollen Jesu Jünger Jesus lieben, indem sie seine Gebote und alles was er ihnen beigebracht hat, einhalten, umsetzen und auch lehren.

Also lässt er sie doch im Stich…

Nein, eben nicht, denn er verspricht, Ihnen den Tröster – also den Heiligen Geist – zu schicken…

Du, ich weiß nicht… Das leuchtet mir nicht immer ein… Das erinnert mich übrigens an ein cartoon, dass am Freitag auf facebook geteilt wurde. Da ist ein Jesus in den Wolken noch halb zu sehen und unten Menschen. Es wird erklärt, dass Jesus nach der Auferstehung seinen Jüngern und auch anderen erschienen ist, bevor er schließlich gen Himmel auffuhr. Ein Teil der Menschen unten auf dem Bild fragt immerzu: „Wo? Wo? Ich kann ihn nicht sehen!!“ und ein erklärender Pfeil teilt mit, dass diese Menschen an HDS, also Himmelfahrt-Defizit-Syndrom leiden…

HDS – was ist das denn? Ich kenne ADHS (in der Schule zum Beispiel), entweder als zu schnelle Diagnose, wenn Kinder ihr eigenes im Sinn haben, oder als ernsthaft zu nehmendes Phänomen, das den pädagogischen Alltag bestimmt. Aber vielleicht ist ja beim Sehen oder nicht Sehen in Sachen Himmelfahrt auch so etwas im Spiel…

Nun, eine facebook-Freundin von mir ist Professorin an einem Theologischen Seminar in Durham – sie meinte nur: Ja, ich glaube, ich leide auch manchmal darunter – unter diesem Syndrom…

Da hat sie mit Sicherheit nicht ganz unrecht! Ich würde das auch für mich in Anspruch nehmen, weil uns Jesu unmittelbare Nähe doch fehlt.

Seh‘ ich auch so. Aber, warum musste Jesus denn überhaupt weggehen? Wäre es nicht viel schöner gewesen, wenn sie alle beisammen geblieben wären; sich ab und zu auf einen netten Plauderabend getroffen hätten und Jesus sich weiterhin um die Kranken und Armen und sonstwie bedürftigen gekümmert hätte….?

Ja, der Immer-und-Überall-Jesus ist irgendwie auch der Nie-und-Nirgendwo-Jesus, weil man ihn nicht so leicht wahrnimmt.

Mir scheint, das Jesus wollte, dass wir es selbst in die Hand nehmen. Indem wir nicht nur sehen und sagen, wer alles was braucht von uns als Gemeinde, sondern indem wir mit unseren eigenen Füßen, Händen und Phantasie daran gehen. Und nicht nur anmahnen, dass die, die aus unserer Sicht dafür bezahlt werden, da was tun sollen.

Du meinst, wir sind als ganze Gemeinde gefragt?

Ja genau!

Du, das gibt aber eine ganz schöne Veränderung – damals wie heute…!

In der Tat! Und mit Veränderung haben es die Menschen nicht so, das wissen wir ja alle!! Viel lieber haben wir es, wenn alles beim alten bleibt! Das ist zwar mitunter langweilig und Manches passt uns nicht so, aber es ist wenigstens bekanntes Terrain.

Du meinst, dass die Menschen manchmal dringend nach Veränderung rufen und wenn sich dann tatsächlich etwas verändert, sie nicht damit umgehen können oder wollen?

Genau! Weißt du, wenn sich etwas verändert, das geht oft auch mit Angst einher und mit Trauer um das, was nicht mehr ist.

Sprichst du jetzt von der Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten, oder von der Gemeinde?

Na, ja, wenn du mich so fragst, trifft das auf Beides zu! Schau! Erst war Jesus da und hat immer was zu erzählen gehabt und hat sich der Armen und Kranken angenommen. Manches haben die JüngerInnen nicht verstanden, aber das fanden sie nicht so schlimm, denn was man/frau (noch) nicht verstanden hat, braucht man/frau auch nicht unmittelbar umzusetzen. So lang Jesus das macht – ist es doch gut geregelt. Aber jetzt ist er weg und erwartet tatsächlich von seinen JüngerInnen, das diese das Werk fortführen, dass sie dem selbst Hand und Fuß geben.

Ja, das war in der Tat eine ganz schöne Veränderung. Manche hätten zwar gut und gerne eine Revolution für Jesus vom Zaun gebrochen. Aber dass sie jetzt selbst ran müssen, damit hatten sie womöglich nicht gerechnet. Aber mir scheint, dass es uns da gar nicht so viel anders geht in der Gemeinde…

Ja, auch bei uns gab es ziemlich einschneidende Veränderungen, nach der Fusion kam der PfarrerInnenwechsel, dann der Wechsel im KV.

Nimm noch dazu die gravierenden Veränderungen der letzten Jahrzehnte im Stadtteil.

Siehe da, die Zutaten für größte Unsicherheit und…

Ja, ich weiß schon! Und… für die Sehnsucht nach den guten alten Zeiten, in denen alles seinen Gang ging!

Genau! Aber das ist noch nicht alles!

Reicht es denn noch nicht?

Da sagst du ein wahres Wort! Aber doch ist es Fakt, dass wir im Christentum – etwa seit dem vierten Jahrhundert – davon ausgehen, dass die Pfarrer und jetzt auch Pfarrerinnen, den Auftrag der Gemeinde schon erfüllen werden. Dass sie die Leute zum Geburtstag besuchen, für Menschen beten, die krank sind, Familien unterstützen, die es im Leben alles andere als leicht haben…

…den Stadtteil zu einem Lebenswerten Ort machen in dem das Miteinander der Religionen und Ethnien als Bereicherung, statt als Betrug am alten Dorf empfunden wird.

Ja, genau!

Und, du meinst, dass diese Aspekte eigentlich Aufgabe der ganzen Gemeinde sind…?

Genau das meine ich. Schau, in unserem Predigttext heißt es doch am Anfang: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ Und später: „Nur noch kurze Zeit, dann sieht die Welt mich nicht mehr.“

Du meinst… wir – als Gemeinde – sollen den Blick auf Jesus nicht verlernen, denn nur mit Blick auf Jesus gelingt es, den Herausforderungen der Zeit gerecht zu werden?! Aber, wie können wir es der Gemeinde und dem KV und den Mitarbeitenden leichter machen?

Nun, eine Vergewisserung darüber, wer wir sind und was unser Auftrag ist, könnte da helfen. Was unterscheidet uns von sonstigen Vereinen und Zusammenschlüssen im Stadtteil?

Jedenfalls nicht, dass wir feiern können, das können die anderen auch. Es ist zwar gut und OK, dass wir das können, aber das ist nicht unser Ureigenstes als Gemeinde.

Nee, das stimmt wohl. Wir haben uns lange Zeit damit befasst, wie wir Gemeinde im Stadtteil sein wollen. Vielleicht sollten wir ebenso deutlich danach fragen: Wie möchte Gott, dass wir Gemeinde Jesu Christi hier und jetzt (in Fechenheim, Anno 2013) sind?

Ja, das stand, glaube ich, in den letzten Jahrzehnten nicht mehr so deutlich im Vordergrund. Not tut eine klare Aussage, was es mit einer Gemeinde in einem Stadtteil wie Fechenheim am Rande Frankfurts auf sich hat. Was ist ihr Auftrag in dieser Welt?

Wie wäre es mit: Liebe zu Gott und den Menschen. Wenn wir Jesus ernst nehmen, gibt es da ganz schön viel zu tun. Ich frage mich zum Beispiel oft, wie ernst wir es damit meinen, dass unsere Türen für jeden offen stehen? Oftmals ist da doch noch ein kleineres oder größeres „Aber…“ mit dabei.

So ein bisschen wie: „Wer sich an die Regeln hält, der kann gerne dazu kommen.“ Aber spätestens, wenn es um diese Regeln geht, fällt der Konsens flach…

Du, mir scheint, es ist kein Wunder, dass wir uns so schwer tun mit Himmelfahrt und Pfingsten, und was dazwischen ist.

Du meinst, weil wir inzwischen vor lauter Wald die Bäume nicht mehr erkennen?

Du sagst es! Mmmmhh! Ich meine jedoch, dass unser Predigttext da weiterhelfen kann! (Vers 16-17): “Und der Vater wird euch an meiner Stelle einen anderen Helfer geben, der für immer bei euch sein wird; ich werde ihn darum bitten. Er wird euch den Geist der Wahrheit geben, den die Welt nicht bekommen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Aber ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.“

„Aber, Ihr kennt den Geist der Wahrheit, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.“ Dieses Wissen will doch immer wieder gestärkt und aufgefrischt werden, meinst du nicht?

Da sind wir auch wieder bei den Weisungen und Lehren Jesu (V. 15)! Insbesondere der Gottesdienst, aber auch die Bibelstunde, der Kindergottesdienst, der Konfirmandenunterricht usw. sind die Gelegenheiten, dieses Wissen zu stärken und wieder aufzufrischen, damit die Hoffnung nicht verloren geht. Es sind die Momente, in denen Kraft getankt werden kann für den Auftrag der Gemeinde.

Du meinst, in der Gemeinde ist die Tankstelle für den ganzen Stadtteil, wo es Vergewisserung im Glauben gibt?

So könnte man sagen. In Vers 18-19a unseres Textes haben wir gehört: „Ich werde euch nicht als hilflose Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. Nur noch kurze Zeit, dann sieht die Welt mich nicht mehr.“

Die Welt sieht Jesus nicht – Jesus hat aber versprochen, dass wenn wir uns an ihn halten, wir ihn nicht aus den Augen zu lassen brauchen und er uns stärkt für die anstehenden Aufgaben!

So kurz nach Himmelfahrt werden wir daran erinnert, dass Jesus uns einen Vermittler – den Heiligen Geist schicken will.

Der heißt auf griechisch »Paraklet« (»der Herbeigerufene«). Damit kann so etwas wie ein Anwalt (nicht nur im Prozessrechtlichen Sinn) gemeint sein. Jemand der für jemanden Fürsprache bei anderen einlegt, der schützend und helfend für ihn eintritt.

Nachdem Jesus selbst aus unserem unmittelbaren Blickfeld entschwunden ist, werden wir ihm also immer wieder – dank des Heiligen Geistes – begegnen. Du fragtest, was wir tun können, um es der Gemeinde leichter zu machen… Nun, ich denke es ist mehr denn je unsere Aufgabe und Berufung, als Pfarrpersonen der Gemeinde Jesu Gebote und Weisungen nahe zu bringen und zu erläutern.

Du meinst, damit die Gemeindeglieder zum einen gestärkt an ihre Aufgaben gehen können und auch damit sie immer wieder geistlichen Nachschub holen können. So wird dann auch Vers 19b deutlich: „Ihr aber werdet mich sehen, und weil ich lebe, werdet auch ihr leben.“

Also, immer dann, wenn HDS, das Himmelfahrt-Defizit-Syndrom, wieder auftaucht…

…wird es Zeit, mal wieder den Heiligen Geist zu rufen und Jesu immerwährende Nähe zu erleben.

Der Friede Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft,…

…bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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