Evangelische Kirchengemeinde Frankfurt a. M. – Fechenheim

Website der Evangelischen Kirchengemeinde im Frankfurter Stadtteil Fechenheim

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Puppet Ministers: Predigerpuppen

Handpuppen erzählen von Gott: Religionspädagogik in KiTa und Gemeinde.

Darf ich vorstellen? Rabe, Schmetterling, Carlotta, Schnecke, Carlo, Esel, Eule, Sammy, Luther, Calvin und Bibi. Handpuppen – für den gottesdienstlichen Einsatz.

Eigentlich fing alles an mit Bibi, einer Mädchen-Handpuppe mit dunklen Haaren und zwei Outfits: einem eher Mädchenhaften und einem eher frechen. Angeschafft wurde sie von meinem Vorgänger, Pfarrer Karl Langensiepen. Er fand es eine gute Idee, Bibi die Geschichten im Kindergottesdienst erzählen zu lassen. So war Bibi dann Mitglied des Kindergottesdienst-Teams.

Als ich 2009 Pfarrerin in der Evangelischen Kirchengemeinde Frankfurt am Main-Fechenheim und somit Nachfolgerin von Karl Langensiepen wurde, fand ich ein Kindergottesdienst-Team vor, das zum einen klar formulieren konnte, dass die einzelnen Mitglieder, vor allem Karl Langensiepen in seinen letzten Amtsjahren, nicht im Stich hatten lassen wollen, zum anderen hätten sie sich redlich bemüht, Bibi Sonntag für Sonntag zum Sprechen zu bringen. Indes hatten sie einen Bezug zu dieser „Akteurin“ mehr schlecht als recht gefunden. Beide Mitteilungen brachten mich dazu, das Kindergottesdienst-Team erst einmal zu ermuntern, ihre Situation zu reflektieren. Ich machte Mut, das mit mir zusammen zu tun, mich als Ressource und Resonanzboden zu sehen, und schlug vor, noch weitere „Erzählmöglichkeiten“ zu erkunden. Als Bibi immer wieder Thema wurde, machte ich deutlich, dass der Einsatz von Bibi – für mich – ganz bestimmt nicht der ultimative Beweis für gute Kindergottesdienst-Arbeit darstellte und diese Unsicherheit vielleicht auch ein guter Anlass sei zu schauen, wo die Talente der einzelnen Mitarbeiterinnen denn noch liegen. Einiges hatten sie ja schon unter (zum Teil langjährigen) Beweis gestellt, und ich war mir sicher, dass es da noch viel mehr zu entdecken gäbe.

Die nächste Phase war geprägt von Veränderungen im Kindergottesdienst-Geschehen. Einerseits war da der Wunsch nach einer einfacheren Liturgie und auch nach dem Kennenlernen anderer Methoden, um Geschichten zu erzählen. An verschiedenen Team-Klausur-Nachmittagen erarbeiteten wir diese Themen. Alsbald jedoch verabschiedete sich ein langjähriges Team-Mitglied. Zwei weitere folgten. Wir ermutigten Mütter von Kinder­gottesdienst- und Krippenspiel-Kindern, doch mitzumachen. Was einige auch taten. Das Team fing wieder an zu wachsen.

Nicht zuletzt, weil inzwischen auch die religionspädagogische Arbeit mit den drei Kinder­tagesstätten anfing, Gestalt anzunehmen, brachte ich den Raben und Carlotta ins Spiel (beide gehören mir persönlich). Ein Geburtstagsgeschenk meiner Schwester – eine Schmetterlings-Handpuppe – fand ebenfalls sogleich Eingang in die kirchliche Arbeit mit Kindern.

Der Rabe – dieser freche Vogel mit Sprach-Eigenheiten – war oft mein Alter Ego. Der Rabe kann Dinge sagen, die ich als Pfarrerin nicht sagen sollte, könnte oder möchte. Andererseits ermöglicht er es auch, die jeweilige Stimmung der Kinder zu erfassen bzw. zu antizipieren und in Worte zu fassen. Wie zum Beispiel: „Mir ist langweilig!“ Oder: „Die Geschichte kenne ich schon!“ Oder: „Ich will aber jetzt lieber malen!“ Der Rabe traut sich auch zu singen, obwohl er fürchterlich krächzt. Und manche Wörter kann er nur beim dritten Versuch aussprechen, aber er versucht es immer wieder. Und er kann nervige Detailfragen stellen – diese führen dann dazu, dass jemand die ganze Geschichte noch einmal erläutern kann.

Hier kommt Carlotta ins Spiel, eine kleine Kumquats-Puppe mit lockigen roten Haaren. Sie kennt viele Geschichten, vor allem biblische. Sie kennt sie, weil ihre Großmutter sie ihr und ihrer Schwester immer erzählt hat, und die hat die Geschichten wieder von ihrer Großmutter gehört und die wieder von ihrer, usw.

Mit dem Raben und der Handpuppe Carlotta wurde somit das Grundprinzip etabliert: Wenn einer fragt, kann der andere erzählen, was er/sie weiß. Nach dem Motto: Wenn dein Kind dich morgen fragt…. (5. Mose 6, 20). Ein bisschen wie bei den jüdischen Festen, wo das jüngste Kind fragt und der/die Älteste antwortet. Da Kinder zu unserer Zeit dazu neigen, Wissen, passiv aufzunehmen (Fernsehen zu Hause, Hör-CD im Auto, Frontal-Unterricht in der Schule), verlernen sie leider auch das Fragen-Stellen und das Neugierig-Sein.

Der Rabe kristallisierte sich alsbald als „meine Handpuppe“ heraus. Indes konnte die Rolle der Carlotta auch mal von anderen übernommen werden – vor allem im Zwiegespräch mit dem Raben.

Der Schmetterling wurde zum ersten Mal an einem Ersten Advent eingesetzt und behauptete, schon jetzt in den Stall von Bethlehem hineinschauen zu können – man könne von seiner Warte aus jetzt schon alles sehen und wüsste schon alles – man bräuchte mit Warten doch keine Zeit zu verschwenden. Sein Counterpart – damals eine Käseschachtel-Stabpuppen-Schnecke – forderte ihn jedoch heraus, die Adventszeit zu genießen und die Zeit zu nutzen, all die verschiedenen Aspekte der Weihnachtszeit und der biblischen und anderen Vorweihnachts-Geschichten zu erleben. Der Schmetterling ist Anna wie auf dem Leib geschnitten. Anna ist Erzieherin und auch im Kindergottesdienstteam.

Ein gezieltes „Matching“ von Person und Handpuppe ist essentiell. Die Identifikation mit der Handpuppe ermöglicht es auch, bei Bedarf zu improvisieren – wie wir später merken sollten. Gleichsam bilden sich die unterschiedlichen Charaktere und Talente der Mitarbeitenden ab, und es werden die verschiedensten Arten und Weisen gezeigt, wie Glaube in Worte gefasst werden kann.

Alsbald verstärkte Carlo das Team. Carlo ist aus derselben Serie wie Carlotta. Er verkörpert ein Kind, das von anderen Kindern zum Kindergottesdienst eingeladen wird, und dem das kirchliche und gottesdienstliche Geschehen noch fremd sind. Martina (Kindergottesdienstteam) betrachtete Carlo alsbald als „ihre“ Handpuppe und belegte auch einen Workshop zum Umgang mit Handpuppen.

Zusammen mit Carlo wurde Sophie, die Schnecke, angeschafft, doch fand sich zunächst niemand, der/die sich damit so recht identifizieren konnte. Zur selben Zeit wurde auch der Esel in das Team aufgenommen. Dieser hatte – wie kann es anders sein – seinen ersten Auftritt beim Adventsgottesdienst für Jung & Alt. Iris war diejenige, die ihm ihre Stimme verlieh. Iris war zu der Zeit schon über 10 Jahre Mitglied des Kindergottesdienst-Teams. Sie stand für Kontinuität, Klarheit und No-Nonsense-Erzählungen. Für die Kinder ist ja eines klar: wenn einer weiß, was damals in jener Nacht in Bethlehem passierte ist, dann war es wohl der Esel.

Für einen Gottesdienst für Jung & Alt am Palmsonntag wurde ein Vogel gebraucht. So kam es, dass Sandra sich die Eule ausgesucht hat. Die Eule hat den Überblick – jedoch im Gegensatz zum Schmetterling ist sie sehr belesen, dazu geduldig und bedächtig und gerne bereit, Dinge zu erläutern.

Mit der Eule wurde auch das Konzept „Zwei auf der Kanzel“ geboren – nach Analogie mit den beiden Herrschaften auf dem Balkon in der Muppetshow. Die Zwei auf der Kanzel binden sozusagen immer den Sack zu im Gottesdienst für Jung & Alt.

Ein Thema entfaltet sich: Die Kinder befassen sich damit in den Geschichten unter dem Regenbogen (in den KiTas) – hier theologisieren und philosophieren wir mit den Kindern und betrachten biblische Geschichten vorwiegend als Beispiele für Gottes liebevolle Begleitung der Menschen. Manchmal malen die Kinder Bilder für das Riesen-Kamishibai, oder sie schreiben ihre eigenen Geschichten. Oder formulieren Fragen, die in einer Art Talkshow an biblische und kirchengeschichtlich relevante Personen gestellt werden können. In der religionspädagogischen AG (Pfarrerin und delegierte MA der KiTas) werden der Ablauf und der pädagogische Aufbau der verschiedenen Elemente für den Gottesdienst besprochen – und auch, welche Aspekte die Zwei auf der Kanzel noch einmal benennen sollten. Je nach Auswahl der Handpuppen verändert sich der Fokus bzw. die Art der Erzählung. Die Texte dazu schreibt die Pfarrerin in letzter Minute – sozusagen als Zusammenfassung des Prozesses. In den Puppet Ministers haben die Kinder unterschiedliche Persönlichkeiten, die ihnen den Glauben sowie biblische und außerbiblische Geschichten nahebringen.

Irgendwann war eine Handpuppe nicht aufzufinden. Da kam dann die Bibi zum Einsatz. Jetzt unbelastet von früheren Situationen.

Beim Nachdenken über die Multikulturalität in Gemeinde und Kindertagesstätten fiel uns auf, dass die Handpuppen – wenn nicht gerade Tiere – allesamt weiß sind. So kam Sammy dazu. Sammy ist dunkelhäutig, in einer Kleinstadt in Hessen aufgewachsen und vor kurzem mit seiner Mutter nach Frankfurt gezogen. Sammy kennt viele biblische Geschichten und erzählt gerne davon – für ihn sind sie selbstverständlich. In der Zwei auf der Kanzel-Folge „New Kid on the Block“ haben wir Wert darauf gelegt zu zeigen, dass Fremd-Sein oft mit Vorannahmen des Gegenübers zu tun hat. Als er nach seiner Herkunft gefragt wird, fragt Sammy (laut) auf Hessisch bei seiner Mutter nach, wann sie denn von Babenhausen hierher gezogen sind, und diese antwortet (aus den Bankreihen) – ebenfalls auf Hessisch – „Ei, das weeste doch, Bub! Vor zwo joar!“ Damit war Sammy eingeführt.

Beim nächsten Gottesdienst für Jung & Alt hatten alle bis dahin eingeführte Handpuppen zusammen einen Auftritt – und haben ihren Beitrag zum Thema auf ihre je eigenen Weise angesprochen. Damit lernen Kinder (und Erwachsene), dass Vielfalt vor allem bereichernd ist.

Als Nächstes fand die Schnecke Sophie ihre Bestimmung: Mit Androniki bekam die Schnecke genau das Quirlige und dennoch Geduldige, was es brauchte. Oft sind Sophie und der Rabe auf der Kanzel, was natürlich nur geht, indem Schnecke und Rabenvogel jedes Mal einen Pakt schließen, weil sie etwas erörtern wollen.

Im Jahr des Reformationsgedenkens 2017 ergänzten eine Luther- und eine Melanchthon-Handpuppe die Sammlung. Im Schulanfängergottesdienst erörterten sie, warum es wichtig ist, dass alle Kinder, Jungen und Mädchen, einen Zugang zu Bildung haben, und dass das nicht immer so war. Die beiden sitzen jetzt in der Vitrine im Foyer.

Kürzlich stand der Rabe nicht zur Verfügung, weil die Pfarrerin ihm ihre Stimme – wegen einer Erkältung – nicht geben konnte. Da musste der Schmetterling einspringen. Und hier zeigte sich, dass die Identifikation mit der Rolle Früchte trägt. Denn obwohl der Dialog anders geschrieben war, mussten die Schnecke und der Schmetterling auch mal improvisieren. Der Schmetterling war dann mal zu flattrig und isst freilich keine Nüsse, sondern liebt Nektar.

Sodann ergab sich die Situation, dass Androniki verhindert war. Die Schnecke ist ihr jedoch so sehr auf den Leib geschnitten, dass eine Lösung gefunden werden musste. Da fiel uns die Bibi wieder ein.

Pfarrerin Lieve Van den Ameele (September 2017)

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