Bitte beachten: Die Texte zu den beiden Gemeinden sind nicht ganz aktuell, das Jahr der Ausarbeitung ist jeweils am Ende vermerkt.
Die Glaubenskirchengemeinde wurde 1954 aus der Melanchthongemeinde ausgegliedert, daher ist die Geschichte der Gemeinde in zwei Abschnitte zu den jeweiligen Gemeinden geteilt. Die heutige Evangelische Kirchengemeinde Frankfurt a. M. - Fechenheim ist zum Jahreswechsel 2006/2007 aus der Glaubenskirchengemeinde und der Melanchthongemeinde hervorgegangen.
Vierzig Jahre sind keine lange Zeit in der Geschichte der Kirche. Und doch liegt eine gewaltige Spannung darin. War Kirche in den Fünfzigern und zur Zeit der Errichtung der Gemeinde noch gefragt, so ist sie inzwischen zu einer Größe unter anderen geworden. Auch der Stadtteil hat sich stark verändert. Die einstige industrielle Prägung, die Arbeit und Brot, aber auch Schmutz und nach außen hin keinen besonders guten Ruf begründet hatte, ist verloren. Seit der Zerschlagung der Cassella, der „Chemischen“, gibt es eine regelrechte Industrie-Brache. Die ehemaligen Werkswohnungen sind verkauft, und die Zukunft des Stadtteils ist unsicher.
Bis ins 19. Jahrhundert bestand das heutige Gebiet der Gemeinde nur aus Wiesen und Wäldern. An der Wende zum 20. Jahrhundert wohnten nur wenige evangelische Christen im Nordteil Fechenheims. Im ersten Drittel des Jahrhunderts ließ dann die Firma Cassella nördlich der Hanauer Landstraße Werkswohnungen bauen: kleine Arbeiterhäuser, aber auch die sogenannten „Doktorhäuser“. Die als Baumaterial eingesetzten hart gebrannten Ziegel („Russen“) brachten dem Wohngebiet den missverständlichen und anrüchigen Namen „Russländche“ ein. Fechenheim wuchs nach Norden hin beträchtlich. Ende der fünfziger Jahre kamen noch große Wohnblocks an der Birsteiner Straße hinzu, die von der Stadt Frankfurt gebaut wurden, sowie Anfang der Sechziger die Altenwohnanlage in der Lauterbacher Straße sowie die beiden Hochhäuser am Anfang der Wächtersbacher Straße. Kirchlich gehörte das Gebiet zur Melanchthongemeinde.
Im Jahr 1954 wurde der Entwicklung des Nordens durch eine eigene Pfarrstelle Rechnung getragen. Am 1. Mai 1955 kam Pfarrer Ernst Lipps und wohnte zunächst im Haus Birsteiner Straße 52. Als seine vordringlichste Aufgabe sah er, eine Gemeinde zu sammeln und für die notwendigen Räume zu sorgen. Die ersten Gemeindekreise versammelten sich in der „Waldschule“ am Sportplatzgelände Birsteiner Straße. Im Jahr 1956 waren die Bemühungen um ein eigenes Gemeindezentrum so weit gediehen, dass am 14. Juli die Grundsteinlegung erfolgen konnte. Ein gutes Jahr später, am 8. September 1957, konnte das Haus mit Gemeindesaal, Kirchendienerwohnung und zwei-gruppigem Kindergarten mit 65 Plätzen in Betrieb genommen werden. Im Jahr 1958 dann wurde ein hölzerner Glockenträger errichtet, der bis zu seinem Abriss im Jahr 1996 das Wahrzeichen der Gemeinde war. Die Glocke war eine Leihgabe der Melanchthongemeinde, die durch Vertrag im Jahr 1972 zurückgegeben werden musste - Grund für manche Verstimmung. Am 30. Mai 1972 läutete dann zum ersten Mal eine eigene Glocke, ein Geschenk der Kirchengemeinde Köppern, klanglich wirklich nur ein Provisorium.
Die Entwicklung des Stadtteils nördlich der Hanauer Landstraße und wohl auch die Eigenheiten der Pfarrer machten dann die Teilung der Melanchthongemeinde erforderlich. Seit dem 1. April 1960 gibt es zwei Kirchengemeinden in Fechenheim. Damals zählte die südliche Gemeinde 6553, die nördliche Gemeinde 2390 Mitglieder mit weiter wachsender Tendenz. Die Namensgebung erfolgte vier Monate später in Anlehnung an den Namen der Berliner Glaubenskirche. Pfarrer Lipps, selbst Berliner, hatte den Namen eingebracht, welcher der Gemeinde bis heute nicht nur Freude bereitet, weil er für Fremde den Schluss auf eine Sekte nahelegt oder unsinnige Abkürzungen wie „Glaubensgemeinde“ entstehen lässt. Von Lipps gemeint war eine Gemeinde, deren Kirche die Glaubenskirche ist bzw. werden soll. Der geplante Kirchbau auf der Wiese zwischen Gemeindezentrum und Pfarrhaus wurde allerdings wegen sinkender Gemeindegliederzahlen nicht mehr realisiert. Weitere im wahrsten Sinne des Wortes grundlegende Termine im Jahr 1960 waren die Gründung der Gemeindebücherei am 6. Mai, die Wahl der ersten Kirchlichen Körperschaften am 26. Juni und die Gründung eines Kinderchors am 8. August. Am 1. Oktober dann erschien die erste Ausgabe der „Glaubenskirche“, am 1. November wurde ein Posaunenchor gegründet, und am 1. Advent feierte der Gemeinde-Mütterkreis seinen fünften Geburtstag. Im Dezember wurde ein Berufstätigenkreis gegründet (später „Junge Gemeinde“). Aber auch Sorgen kennzeichneten das Gründungsjahr der Gemeinde: Im Kindergarten fehlte es an Kräften, so dass er über eine Zeit geschlossen werden musste. Und die Vermögensaufteilung zwischen Melanchthon- und Glaubenskirchengemeinde gestaltete sich ebenfalls nicht einvernehmlich. Die nördliche Gemeinde gedeihte gut. Die vorhandenen Räume reichten schon bald nicht mehr aus, daher wurde das Gemeindezentrum im Jahr 1963 um einen Anbau (Eingang Meerholzer Straße) erweitert, der am 24. März in Gebrauch genommen wurde. Pfarrer Lipps konnte dann 1964 in das neu errichtete Pfarrhaus in der Meerholzer Straße umziehen. Ein Jahr später trat er in den Ruhestand. War er auch ein Choleriker, so hat der doch den Grundstein für die Gemeinde gelegt.
Auf Lipps folgte am 1. Januar 1966 Pfarrer Eduard Klesy - ein gebürtiger Berliner, aber mit seiner bedächtigen, vorsichtigen Art im Charakter eher das Gegenteil von Lipps. In der Geschichte der Gemeinde steht er für die sorgsame Pflege des Erbauten und für eine große und vorbildliche seelsorgerliche Nähe zu den ihm anvertrauten Gemeindegliedern. Seine Treue, seine Lauterkeit, seine Beständigkeit und Glaubwürdigkeit halfen, die Gemeinde zu festigen. Mit seinem vermittelnden, zur Verständigung bereiten und ermunternden Wesen sorgte er zwei Jahrzehnte lang für einen recht reibungslosen Verlauf des Gemeindelebens. An äußeren Geschehnissen zu vermerken ist, dass vom Sommer 1965 bis zur Errichtung des Gemeindezentrums St. Hildegard in 1972 im Gemeindezentrum der Fuldaer Straße auch die Frühgottesdienste der katholischen Gemeinde stattfanden. Von daher rührt bis heute eine partnerschaftliche Ökumene. Am 1. Februar 1973 wurde ein ökumenischer Christenrat ins Leben gerufen. Angesichts steigender Nachfrage nach Kindergartenplätzen ergab sich die Notwendigkeit, die Einrichtung zu vergrößern. Anfang September 1970 dann konnte die Erweiterung in Gebrauch genommen werden. Zeitweise zählte die Einrichtung über 100 Kinder. Heute werden 75 Kinder betreut. Am 1. Januar 1980 wurde aus der 1895 gegründeten Schwesternstation der Firma Cassella die Station der Glaubenskirchengemeinde. Einen tiefen Einschnitt in der Geschichte der Gemeinde markierte der plötzliche Tod von Pfarrer Eduard Klesy im Sommer 1985. Für zweieinhalb Jahre war die Gemeinde ohne eigenen Pfarrer. Pfarrer Karl Langensiepen von der benachbarten Melanchthongemeinde übernahm für die Zeit der Vakanz die kommissarische Leitung der Gemeinde, und Pfarrer Manfred Rohowski war zusätzlich für die pastorale Betreuung eingesetzt.
Im November 1987 dann begann Pfarrer Wilfried Steller seinen Dienst in der Gemeinde, die damals nur noch 1516 Gemeindeglieder umfasste und schon zu den kleinsten Frankfurts zählte; heute sind es sogar nur noch 1150. Die traditionellen Angebote weitgehend zu erhalten und gleichzeitig neue Anziehungskraft der Gemeinde zu entwickeln, um die kleiner werdende Gemeinde als ein lebendiges Ganzes zu erhalten, war das Ziel des neuen Pfarrers. In einer schrumpfenden Gemeinde etwas wachsen und blühen zu sehen - das wäre ein schöner Erfolg. Nachlassende kirchliche Sozialisation, ein verändertes Freizeitverhalten und Strukturveränderungen im Stadtteil führten dazu, dass die Gemeinde stärker werbend auftreten und auch an ihrem Bild in der Öffentlichkeit arbeiten musste. Manches aus dem Angebot verschwand, anderes wurde versucht und wieder verworfen, einiges an Neuem hat noch Bestand. Aus der Negativ-Bilanz ist zu berichten, dass nach den über viele Jahre hinweg guten und regen Kontakten zu den Partnergemeinden Garz, Warnau und Kuhlhausen in der DDR die Aufhebung der deutschen Teilung im Osten das Interesse an einem offiziellen Kontakt erlahmen ließ. Heute existieren nur noch private Beziehungen.
Eine wichtige Säule der Gemeindearbeit brach im Jahr 1996 weg. Die Schwesternstation wurde aufgegeben, nachdem die letzte Inhaberein ihre Stelle gewechselt und die für die Organisation von Vertretungsdiensten notwendige Anbindung an einen anderen Träger sich als nicht sinnvoll bzw. sogar unmöglich erwiesen hatte. Damit ging eine Ära zu Ende: Die (Cassella-)Schwestern hatten insgesamt mehr als hundert Jahre lang viele wertvolle Dienste in der Gemeinde geleistet und den Aufbau der Gemeinde mitgetragen. Die Stelle der Schwester wurde seitdem nicht mehr besetzt. Am 21. Juli 1997 hat sich der CVJM der Gemeinde aufgelöst. Der insbesondere durch Wegzug und berufliche Orientierung bedingte Mangel an Mitarbeitenden und die fehlende Akzeptanz des Gruppen-Angebotes hatte diese Entscheidung nahegelegt. Damit lag der Bereich der Kinder- und Jugendarbeit weitgehend brach. Offene Abende für Jugendliche bis 17 Jahren mit Tanz und Musik im relativen Schutz der Gemeinde fanden eher Interesse. Andere Formen entstanden und vergingen: ein Spielkreis, das Montags- bzw. Mittwochs-Café, die „Baustelle Gemeinde“. Einiges ist zur festen Einrichtung geworden: der Miniklub etwa mit seinen Basaren, und die ökumenische Frauengruppe „Sauerteig“ existiert schon einige Jahre und bereitet zum Beispiel den Weltgebetstag vor. Es gibt eine „Kinderkirche“, die vierzehntäglich einen Gottsdienst mit Gruppenstunde anbietet, und für die Kindergarten-Kinder wird jeden Monat ein Kindergottesdienst gehalten. Überhaupt ist der Kindergarten zum wichtigen Partner für die Gemeindearbeit geworden. Mehr als andere zeigen sich Eltern aufgeschlossen für Fragen der Wertvermittlung und auch für Sinnfragen. Wenn es darum geht, etwas an die Kinder weiterzugeben, ist die Kirche noch gefragt. Monatliche Familiengottesdienste greifen in einem lockeren Rahmen Themen auf, die für die Teilnehmenden aktuell sind. Jedes Jahr werden die „runden Geburtstage“ zu einem Treffen eingeladen. Ein Erstabendmahlskurs für Grundschul-Kinder wird nach Bedarf angeboten. Kulturelle Veranstaltungen zeigen die Offenheit zum Stadtteil. Feste bieten die Möglichkeit, ohne große Schwellenangst ins Gemeindezentrum zu kommen. Gleichwohl ist es schwer, das Gemeindezentrum als einen Ort des Lebens zu etablieren. Unverbindliche Projekte kommen besser an als langfristige Angebote, und um die gleiche Anzahl an Besuchern zu erreichen, sind sehr viel größere Anstrengungen erforderlich als in früheren Jahren. Eine gute Zusammenarbeit mit dem Kindergarten-Team wirkt befruchtend, und auch die Ökumene ist im Gemeindeleben fest verankert.
Unverzichtbar ist die Öffentlichkeitsarbeit, die jüngst durch eine eigene Homepage im Internet erweitert worden ist. Die kleiner werdende Gemeinde streckte vorsichtig die Fühler zu den Nachbarn aus, um sich nach Partnern umzusehen. Zum 1. Januar 1996 begann eine Arbeitsgemeinschaft mit der Riederwälder Philippusgemeinde, durch welche vor allem die knapper werdende Personalausstattung für beide erträglicher werden sollte. Schon ein Jahr zuvor hatte die Glaubenskirchengemeinde ihre Küsterstelle mit der Philippusgemeinde geteilt. Die Zusammenarbeit betrifft seitdem auch den gemeinsamen Chor, einen gemeinsamen Kirchenmusiker, den jeweils in einer Gemeinde gefeierten Auferstehungsgottesdienst am Ostermorgen und auch die gegenseitigen Vertretungsdienste. Am 1. November 1997 trat auch die Melanchthongemeinde aus dem Fechenheimer Süden der Arbeitsgemeinschaft bei, die damit insgesamt gut 6000 Gemeindeglieder umfasst. Die Verknappung des Personals in der Glaubenskirchengemeinde auf faktisch nur noch eine Stelle für den Büro- und Hausmeisterdienst ging im Bürobereich einher mit dem Einzug der elektronischen Datenverarbeitung zunächst im Pfarramt, dann im Gemeindebüro und seit diesem Jahr auch im Kindergarten. EDV ist heute für die anfallende Verwaltungsarbeit kaum mehr wegzudenken.
Zur anderen Seite des Schrumpfungsprozesses gehörte 1996 und 1997 auch die Neugestaltung des Gemeindezentrums zu einem einladenden, transparenten und freundlichen Haus. Der Evangelische Regionalverband und Architekt Michael von Törne haben den Bedürfnissen der Gemeinde Rechnung getragen und mit dem Projekt Wege des modernen Kirchbaus gezeigt, denn Ästhetik und Funktionalität verbinden sich gut mit Qualität und Preiswürdigkeit. Angesichts der bescheidenen Bausubstanz standen ohnehin grundlegende Maßnahmen wie z. B. eine bessere Wärmedämmung an, und es musste ernsthaft überlegt werden, ob der Standort überhaupt zu halten war. Genügte das Gebäude anfangs seinem Zweck, weil es mit den kürzeren Wegen eine große Erleichterung brachte, so wirkte es nach mehr als dreißig Jahren mehr oder weniger konturlos und beliebig. Dass es sich um ein kirchliches Gebäude handelte, war nur an einem Schild zu erkennen. Dass die Neugestaltung in dem geschehenen Umfang angesichts schwindender Finanzmittel der Kirche noch möglich war, muss als glücklicher Umstand und Geschenk gesehen werden. Der Zugang zum Gemeindezentrum wurde erheblich aufgewertet, ein kleines Foyer wurde angebaut, und der immer nur provisorisch bis zum Bau einer „richtigen“ Kirche benutzte Saal erhielt eine stärkere sakrale Prägung. Der Jahrzehnte lang gehegte Wunsch nach einer neuen Orgel konnte endlich verwirklicht werden, und auch ein bescheidener Glockenträger mit einer neuen Glocke konnte dort errichtet werden, wo er hingehört: im Eingangsbereich zum Zentrum. Die Glocke mit der Aufschrift „Der aus Glauben Gerechte wird leben“ nimmt den Namen der Gemeinde auf, und im Innern finden sich Anklänge an die Gestalt des Abraham, den „Vater des Glaubens“. Das Stäbchenparkett erinnert an die vielen Sandkörner und die Beleuchtung an den Sternenhimmel: Abraham glaubte der Verheißung, dass seine Nachkommenschaft so zahlreich sein werde wie die Sandkörner auf dem Boden und die Sterne am Himmel. Nicht in das Schema herkömmlicher Erwartung passt die Ausführung des Kreuzes an der Altarrückwand mit einem schmalen vertikalen und einem breiten horizontalen Balken - aber das Kreuz will Anstoß erregen und immer neu zum Nachdenken reizen. Zwei Lithografien von Marc Chagall im Kleinen Saal zeigen in den Gestalten des Jeremia und des Salomo, wie sich Glaube ausdrücken kann. Und das „Frauenkreuz“ aus El Salvador an der Rückwand des Foyers demonstriert, dass der Glaube auch in der Gegenwart von Bedrohung Freude und Tatkraft entfaltet. Im Zuge der Neugestaltung wurde auch der Flur des Kindergartens erweitert, so dass er jetzt praktisch als zusätzlicher Gruppenraum gut nutzbar ist. In diesem Monat folgt noch die Neuanlage des Kindergarten-Hofes. Mit diesem Kraftakt wird dann das Gemeindezentrum außen und innen komplett überarbeitet sein. Die Gemeinde hat die Maßnahmen insgesamt sehr freundlich mit Spenden unterstützt. Dadurch und aufgrund des unter Pfarrer Klesy stets sehr sparsamen Wirtschaftens konnten auch große Anschaffungen wie die Orgel und die neue Bestuhlung realisiert werden.
Durch die Neugestaltung gibt es gute Aussichten, auch in den nächsten vierzig Jahren noch ein Gemeindezentrum zu haben. Gleichwohl ist Kontinuität nicht zu erwarten. Durch den anstehenden Verkauf der Cassella-Wohnungen als Eigentumswohnungen wird sich die Struktur des Stadtteils weiter verändern. Die Cassella-Gemeinschaft wird sich weiter auflösen, und die Wohnverhältnisse werden anonymer. Pfarrer Lipps hatte zwar in seiner Amtszeit festgestellt, dass 99% der Bewohner des Stadtteils keine tieferen kirchlichen Bindungen haben, aber es gab einen gewissen Hunger nach kirchlich geprägter Gemeinschaft, so dass sehr schnell Gemeindekreise entstanden und wuchsen und nicht selten gleich alle Kinder einer Familie getauft wurden. Heute ist dieser Hunger - nach Sinn, nach Orientierung, nach Religion - zwar nach wie vor vorhanden, aber es sind nicht mehr so selbstverständlich die Großkirchen, von denen die Sättigung erwartet wird. Die Gesellschaft ist stark individualistisch ausdifferenziert, und auch die Gemeindeglieder sehen ihre Religion weitgehend als Privatsache. Hinzu kommt ein gewisser Druck auf den Kirchenvorstand, sich zu einer größeren Gemeinde zusammenzuschließen. Die finanziellen Rahmenbedingungen werden ebenfalls nicht besser. Und die Pfarrstellenbemessung sieht für die Glaubenskirchengemeinde ohnehin nur noch eine halbe Pfarrstelle vor. Ob sich die kleine Gemeinde auch in der Zukunft wird behaupten können, liegt nun wesentlich an den Gemeindegliedern selbst. So wichtig die Begleitung durch einen Pfarrer immer gewesen ist: Die bisherige Entwicklung hat gezeigt, dass auf den Initiativen, die von „Laien“ ausgehen, mehr Segen liegt als auf dem, was „von oben“ angeboten wird. Die Überschrift „Aus der Gemeinde für die Gemeinde“ auf vielen früheren Ausgaben der „Glaubenskirche“ muss daher in Zukunft das Motto für die kirchliche Arbeit in Fechenheim-Nord sein, wenn das schöne Gemeindezentrum ein Ort des Lebens sein und bleiben soll.
Wilfried Steller (2000)
Die erste urkundliche Erwähnung einer „ecclesiam in Uuechenheim“ in einer Urkunde von König Otto II stammt aus dem Jahr 977. In dieser Urkunde wird der Salvatorkapelle (später Dom) in Frankfurt am Main der Besitz an der Kirche zu Fechenheim bestätigt. Wo diese Kirche stand, ist nicht genau bekannt. Aufgrund dieser ersten urkundlichen Erwähnung des Namens „Uuechenheim“ feiert der Frankfurter Stadtteil Fechenheim 1977 sein 1000-jähriges Bestehen.
wird die heute im Foyer des Gemeindezentrums der Melanchthonkirche stehende Glocke gegossen; sie wiegt 9 Zentner und ist auf den Ton „b“ gestimmt. Die Inschrift gibt das Datum des Glockengusses an und lautet: „anno domini MCCCLXXXX – 10 ydus mencis novembris“, das bedeutet: im Jahre des Herrn 1390 – 10. Idus des Monats November, d.i. der 10. November 1390.
Die Grafschaft Bornheimer Berg wird aufgelöst; Fechenheim gehört mit allen Rechten hoheitlich zur Grafschaft Hanau.
Die Reformation wird im Dorf Fechenheim durch die Grafen von Hanau eingeführt nach einem jahrelang schwelenden Streit zwischen dem (katholischen) Frankfurter St. Bartholomäusstift und den (evangelisch-reformierten) Hanauer Grafen um das Besetzungsrecht an der Pfarrstelle. Es bildet sich 1564 eine reformierte und 1565 eine lutherische Kirchengemeinde. Die reformierte Gemeinde übernimmt die ehemalige katholische Kirche, deren Standort nicht mehr genau lokalisierbar ist; vermutlich stand sie in der Nähe des 1854 geschlossenen Friedhofs zwischen den heutigen Straßen Am Mainbörnchen und Schießhüttenstraße. Bis 1718 wird die reformierte Gemeinde in Fechenheim als Filiale der Pfarrgemeinde Rumpenheim geführt. Der dortige reformierte Pfarrer ist zugleich zuständig für Fechenheim. Die lutherische Gemeinde versammelt sich im Puth'schen Hause und wird pfarramtlich vom Amt Bornheimer Berg mitversorgt.
Bei einem Brand in Fechenheim im Verlaufe des 30-jährigen Krieges wird der Ort bis auf 8 Häuser eingeäschert. Dem Brand fallen auch die Kirchenbücher zum Opfer.
Nach einer Einwohnerzählung des Fechenheimer Pfarrers Georg Bender ist die Kopfzahl seit Beginn des 30-jährigen Krieges 1918 von ca. 200 auf 101 Seelen gesunken. Das älteste erhaltene Kirchenbuch wird angelegt.
erhält die seit 1565 bestehende lutherische Gemeinde einen eigenen Pfarrer.
Die lutherische Gemeinde in Fechenheim weiht ihre erste kleine Fachwerkkirche auf dem Gelände der heutigen Melanchthonkirche ein. In einer im Gemeindearchiv verwahrten Urkunde aus dem Jahr 1673 hatte das Hanauische evangelisch-lutherische Consistorium im Auftrag der reformierten Hanauer Grafen zuvor der lutherischen Gemeinde als besonderen Gunsterweis eine Spendensammlung zum Bau von Kirche, Pfarrhaus und Schule auch außerhalb von Fechenheim gestattet. Der heutige Kirchgarten dient als lutherischer Friedhof. Die im Einweihungsjahr für den Gottesdienstgebrauch gestiftete zinnerne Hostiendose ist noch heute beim Abendmahl in Gebrauch.
Beendigung der seit 1565 bestehenden pfarramtlichen Verbindung mit Rumpenheim. Fechenheim erhält eine eigene reformierte Pfarrei.
In Fechenheim sind Fälle von Hexenverbrennung oder Verfolgungen bis auf den ungeklärten Fall einer gewissen „Hoppelliese“ nicht bekannt geworden.
Fechenheim wird mit der Grafschaft Hanau in die Landgrafschaft Hessen-Kassel überführt (ab 1803 Kurhessen).
Das lutherische Pfarrhaus und das reformierte Schulhaus sollen aus den Steinen der ehemaligen Gemeindemauer erbaut werden, wofür die Gemeinde eine viermonatige Fronfreiheit erhält. Die Gemeindemitglieder scheinen jedoch nicht freiwillig zur Mitarbeit bereit gewesen zu sein, denn der lutherische Pfarrer Blech verlangt, dass der Zentgraf hierfür 4 Leute kommandieren und ihm die Namen derselben mitteilen möge.
Erbauung der evangelischen Kirche Fechenheim (heutige Melanchthonkirche) als Saalkirche im schlichten Stil des Hanauer Barock mit Turm als Dachreiter.
dient diese Kirche beiden evangelischen Konfessionen als Gottesdienststätte. Die Gemeindeuhr wird auf der Kirche aufgestellt. Die alte reformierte Kirche südlich des Linneplatzes, wo sich auch der reformierte Friedhof befindet, wird wegen Baufälligkeit geschlossen und 1819 abgerissen. Von den 3 Glocken finden zwei im Turm der lutherischen Kirche ihren Platz, eine Glocke wird verkauft.
Gründung der Evangelisch unierten Gemeinde (Hanauer Union). Vereinigung der reformierten und der lutherischen Gemeinde zu einer Pfarrei auf Betreiben von Pfarrer Karl Wilhelm Fenner, dessen Grabmahl heute im Kirchgarten seinen Platz gefunden hat.
Einweihung eines neuen Friedhofs am Main und Bau einer Friedhofshalle. Der Friedhof an der evangelischen Kirche wird für die weitere Grablege geschlossen.
Die vor allem durch Zuzug aus dem Fuldaer Land groß gewordene katholische Gemeinde ist Filial von Bockenheim.
Die Kirche erhält die bis heute noch in Gebrauch befindliche Orgel mit romantischer Klangfarbe, die von der Orgelbaufirma Ratzmann, Gelnhausen, gebaut wird.
Die katholische Gemeinde feiert die Einweihung der Herz-Jesu-Kirche.
Umbau und Vergrößerung der evangelischen Kirche mit Stilelementen des damaligen historisierenden Baustils. Anbau einer Sakristei und Einbau einer großen Empore.
Fechenheim erhält eine selbständige katholische Pfarrei.
Fechenheim wird zur Stadt Frankfurt am Main eingemeindet.
Im Zuge der Umgliederung der evangelischen Gemeinde aus dem Hanauischen in die Evangelische Kirche Frankfurt am Main benennt sich die Gemeinde nach Philipp Melanchthon: Evangelisch-unierte Melanchthongemeinde Frankfurt a. M. - Fechenheim. Im selben Jahr entsteht neben dem Kirchenschiff der Melanchthonkirche ein Stahlbetonturm mit quadratischem Grundriss, dem der alte hölzerne Glockenturm, der bisher als Dachreiter auf der Kirche saß, als Turmhaube aufgesetzt wird. Das Geläut erhält 4 neue Glocken.
Ab der Vakanzzeit nach dem Ruhestand des langjährigen Gemeindepfarrers Ludwig Stoppel vom Oktober 1934 bis März 1935 werden die Amtsgeschäfte dem Hilfspfarrer Kurt Waldeck übertragen, der im Juli 1934 dem Gemeindepfarrer beigegeben wird. Hilfspfarrer Waldeck führt seinen Dienst im Sinne der Bekennenden Kirche aus, die dem Nationalsozialismus entgegentritt. Im März 1935 wird der nicht der Bekennenden Kirche angehörende Pfarrer Martin Georgi vom Landesbischof als Pfarrer in Fechenheim ernannt. Pfarrer Waldeck erhält Kirchenverbot, versammelt aber noch eine zeitlang eine kleine bekennende Gemeinde im Anwesen von Frau Luise Krause, hält dort Gottesdienste, Kindergottesdienste und Konfirmandenunterricht; die Konfirmationen werden in der Kirche zu Bürgel gefeiert. Hilfspfarrer Waldeck wird mehrfach von der Gestapo verhört und erhält schließlich Kanzelverbot in Hessen.
Schwere Kriegszerstörungen durch Bombenangriffe in Fechenheim. Einschläge erhält auch die Melanchthonkirche und wird notdürftig repariert. Die Glocken waren bereits zuvor für Kriegszwecke vom Kirchturm geholt und eingeschmolzen worden.
Die durch Zuzug stark gewachsene Melanchthongemeinde erbaut ein Gemeindehaus im Norden Fechenheims, dem später Kindergarten und Pfarrhaus angefügt werden.
Teilung der evangelisch unierten Melanchthongemeinde in zwei Gemeinden. Die Gemeinde in Fechenheim-Süd behält den Namen Evangelisch unierte Melanchthongemeinde, die Gemeinde in Fechenheim-Nord erhält den Namen Evangelische Glaubenskirchengemeinde. Grenzlinie ist die Hanauer Landstraße.
Umbau und endgültige Beseitigung von Bombenschäden an der Melanchthonkirche, Abtragung der sechs Fenstergiebel aus der historisierenden Umbauepoche zu Anfang des Jahrhunderts.
Grundsteinlegung für das evangelische Gemeindehaus in der Pfortenstraße (Melanchthonhaus). Bau des zweiten Pfarrhauses der Melanchthongemeinde in der Straße Am Hennsee. Nach Neubebauung an den westlichen und südlichen Rändern des Stadtteils zählt die Kirchengemeinde 8.500 Gemeindeglieder.
Erbauung des Alten- und Pflegeheims in der Fachfeldstraße (Heinrich-Schleich-Haus) auf Initiative der Melanchthongemeinde. Als Träger des Hauses wird in den 80-er-Jahren eine Stiftung gegründet, der die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden des Stadtteils angehören.
Die Glaubenskirchengemeinde saniert ihr Gemeindezentrum von Grund auf. Der Kirchsaal erhält eine neue Orgel.
Die Melanchthongemeinde übernimmt zusätzlich zu ihrer bisherigen 4-gruppigen Kindertagesstätte in der Schießhüttenstraße die Trägerschaft einer zweiten 3-gruppigen Einrichtung in der Starkenburger Straße.
Infolge Rückgangs der Gemeindegliederzahlen der Melanchthongemeinde und wegen zu hoher Unterhaltungskosten wird das Melanchthonhaus abgerissen und das Grundstück an die Stadt Frankfurt am Main verkauft, die auf dem Gelände im Jahre 2006 eine Kindertagesstätte errichtet. Mit dem Verkaufserlös finanziert der Evangelische Regionalverband Frankfurt am Main der Melanchthongemeinde den Bau eines neuen Gemeindezentrums an der Melanchthonkirche, das im Februar eingeweiht wird.
Karl Langensiepen (2006)
Evangelische Kirchengemeinde Frankfurt a. M. - Fechenheim
Pfortenstraße 4, 60386 Frankfurt am Main, Telefon 069 411420